Wie aus Daten ein steuerbarer Customer Lifecycle wird – das neue Paradigma für Marketing & Vertrieb

Wissen 25. August 2025

Viele Daten – wenig Wirkung.
Warum Unternehmen zwar Insights sammeln, aber keine echten Beziehungen schaffen.

Wir leben in einem datenreichen Zeitalter. Doch während nahezu jedes Unternehmen über riesige Datenmengen verfügt, bleibt der geschäftliche Nutzen dieser Daten oft enttäuschend gering. Reports werden erstellt, Dashboards analysiert, KPIs definiert – aber der entscheidende Hebel bleibt ungenutzt: Daten in den Customer Lifecycle zu übersetzen.

Diese Kluft zwischen Potenzial und Praxis ist größer, als viele Führungskräfte glauben. Die Realität zeigt: Viele datengetriebene Initiativen versanden, weil sie sich zu stark auf die Sammlung und Aggregation konzentrieren – und zu wenig auf die Wirkung in Marketing, Vertrieb und Service.

Dabei liegt gerade hier der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit: In einem Marktumfeld, das immer dynamischer, vernetzter und kundenzentrierter wird, entscheidet nicht die Menge der Leads über den Unternehmenserfolg – sondern die Qualität der Beziehungen. Wirkung entsteht nicht durch Masse, sondern durch Relevanz. Und Relevanz ist nur herstellbar, wenn Daten in Kontext gesetzt und intelligent orchestriert werden.

Was eine Beziehung auszeichnet: Vertrauen, Timing, Orientierung, individuelle Relevanz. Kunden wollen keine Massenkommunikation – sie wollen erkannt, verstanden und zielgerichtet begleitet werden.

Die zentrale These dieses Beitrags lautet daher: Daten entfalten ihren strategischen Wert erst dort, wo sie helfen, den Customer Lifecycle systematisch zu gestalten und zu steuern.

Die Execution Gap im B2B ist real.
Wie fehlende Orchestrierung zu ungenutztem Potenzial führt.

Viele Organisationen haben die erste Stufe der Datenreife erreicht: Sie tracken Nutzerverhalten, speichern Interaktionen, segmentieren nach Zielgruppen oder analysieren Kampagnen. Sie wissen, wie viele Website-Besucher konvertieren, wie sich Leads entlang der Journey bewegen, und wie ihre Öffnungsraten im Vergleich zum Wettbewerb liegen.

Und dennoch bleibt die Wirkung häufig aus. Warum?

Weil zwischen Daten und Entscheidung eine kritische Lücke klafft: die Relevanzlücke.

Diese entsteht, wenn Daten nicht in personalisierte, kontextgerechte Kommunikation übersetzt werden. Wenn zwar Klicks gemessen, aber keine Handlungsimpulse generiert werden. Wenn Vertriebssignale im Lärm der Daten untergehen, weil kein orchestriertes Modell existiert.

Eine aktuelle Forrester-Studie (2024) belegt: Über 70 % der befragten B2B-Unternehmen geben an, dass ihre Leads „nicht reif genug“ oder „nicht relevant genug“ sind, um in verwertbare Vertriebschancen überführt zu werden – obwohl sie in Leadgenerierung investieren. (Quelle: Forrester Research, „B2B Marketing Benchmark“, 2024)

Auch Gartner bestätigt die sogenannte „Execution Gap“ zwischen Insight und Handlung: 65 % der Marketingverantwortlichen berichten, dass ihre Teams zwar Analysen erstellen, aber kaum konkrete Maßnahmen daraus ableiten. (Quelle: Gartner, „Closing the Marketing Execution Gap“, 2023)

Zugleich wächst der Druck, Effizienz und Wirkung nachzuweisen. Gerade in hochregulierten Märkten – etwa in der Medizintechnik – steigen die Anforderungen an passgenaue Kommunikation, ohne dass die Budgets proportional wachsen.

Die Relevanzlücke wird so zum ROI-Problem.

Von der Datenspur zur Umsatzwirkung.
Wie ein neues Modell Relevanz systematisch herstellbar macht.

Um diese Lücke zu schließen, braucht es ein neues strategisches Modell, das Daten nicht als Selbstzweck, sondern als Enabler versteht – als Grundlage für wirkungsvolle, orchestrierte Interaktionen entlang der gesamten Customer Journey.

Das Wirkmodell in vier Schritten:

1. Daten:

2. Relevanz:

3. Beziehung:

4. Umsatz:

Ein solches Wirkmodell ersetzt den veralteten Lead-Funnel durch eine zyklische Revenue-Engine, in der Marketing, Vertrieb und Service nahtlos zusammenarbeiten – datenbasiert, orchestriert, wirkungsorientiert.

Keine Wirkung ohne Struktur.
Welche Voraussetzungen Unternehmen für orchestrierte Journeys brauchen.

Viele Unternehmen setzen heute noch auf Gießkannen-Logik. Kampagnen werden breit ausgespielt, in der Hoffnung, dass der richtige Empfänger schon dabei ist. Doch diese Methode ist ineffizient, teuer – und zunehmend wirkungslos.

Was es stattdessen braucht:

  1. Eine konsistente Dateninfrastruktur – alle Interaktionen in einem zentralen Modell zusammengeführt
  2. Customer Data Platform (CDP) – als Steuerzentrale für Segmentierung, Profilbildung, Triggerlogik
  3. Trigger-basierte Automatisierung – Reaktionen in Echtzeit auf Nutzerverhalten und Lebenszyklusphasen
  4. Scoring-Modelle – zur Identifikation von Reifegrad, Potenzial und Priorität
  5. Journey-Frameworks – die sich an realen Entscheidungsverläufen orientieren
  6. Organisationslogik – ein crossfunktionales Operating Model (z. B. Revenue Operations) zur End-to-End-Orchestrierung

Die MedTech-Branche zeigt exemplarisch, wie groß der Effekt sein kann: Eine Studie von BCG (2023) hebt hervor, dass viele Anbieter zwar Zugang zu klinischen und produktbezogenen Daten hätten – diese jedoch kaum nutzen, um Buying Center gezielt zu entwickeln. Besonders problematisch: Die Vielzahl an Rollen (Ärzte, Techniker, Einkauf, IT) wird häufig nicht differenziert adressiert. (Quelle: BCG, „Why Customer Centricity Matters in MedTech“, 2023)

Zudem zeigt der Adobe Digital Trends Report (2024): Nur 27 % der MedTech-Anbieter nutzen eine Customer Data Platform zur kanalübergreifenden Relevanzsteuerung. (Quelle: Adobe, „Digital Trends in Healthcare“, 2024)

Das Resultat: Vertrauen entsteht nicht. Entscheidungen verzögern sich. Produkte mit hohem Nutzen bleiben auf der Strecke.

Smartes Produkt trifft datengetriebene Betreuung.
Wie Medtronic mit InPen den Lifecycle aktiv steuert.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel liefert Medtronic mit dem InPen Smart Insulin Pen. Das Produkt kombiniert Hardware, App und Abo-Modell – und nutzt dabei kontinuierlich generierte Nutzungsdaten zur personalisierten Betreuung und Aktivierung der Nutzer.

Ergebnisse aus realer Anwendung:

Vorher: Einmaliger Produktverkauf mit geringer Visibilität nach Auslieferung.
Nachher: Plattformbasierte Beziehung mit kontinuierlichem Feedback, datenbasiertem Coaching und langfristiger Nutzerbindung.

Das Subscription-Modell stärkt zudem die Kundenbindung und ermöglicht kontinuierlichen Umsatz. Gleichzeitig werden Therapieergebnisse verbessert – was sowohl Nutzer als auch das Gesundheitssystem überzeugt.

Guided Selling für erklärungsbedürftige Produkte.
Wie BD Self-Service und Relevanz vereint.

Auch Becton Dickinson (BD) zeigt mit seiner PureWick™ Self-Service-Plattform, wie datengetriebene Personalisierung in digitalen Journeys funktioniert. Die Plattform basiert auf Salesforce und MuleSoft und adressiert verschiedene Rollen (Patient:innen, Pflegende, Klinikpersonal) mit jeweils zugeschnittenem Content und Serviceangeboten.

Ergebnisse laut Anbieter:

Die Plattform reduziert nicht nur Vertriebskosten, sondern entlastet auch den Service: FAQs, Nachbestellungen und Schulungsbedarfe werden digital abgedeckt – personalisiert, kontextbezogen und effizient.

Dieser Case demonstriert den Effekt von datenbasierter Omnichannel-Relevanz – besonders bei erklärungsbedürftigen B2B2C-Produkten.

Von Leaddenken zu Lifecycle-Steuerung.
Warum Customer Lifecycle Enablement der strategische Imperativ ist.

Die Zeit der isolierten Kampagnenlogik ist vorbei. Unternehmen, die nachhaltig wachsen wollen, müssen den Wechsel vollziehen: von datengetrieben zu beziehungsorientiert.

Dabei sind Daten kein Selbstzweck – sondern der Ausgangspunkt einer neuen Art des Marketings:

Was Sie sich jetzt fragen sollten:

  1. Haben wir einen vollständigen Überblick über unsere Kundendaten – und können wir sie sinnvoll aktivieren?
  2. Wo im Customer Lifecycle entsteht bei uns echte Relevanz – und wo verpufft sie?
  3. Haben wir ein orchestriertes System, das aus Daten Wirkung erzeugt?

Wer Kund:innen systematisch entwickelt, statt sie nur zu gewinnen, erzeugt nachhaltigen Ertrag. Wer Relevanz herstellt, erzeugt Loyalität. Und wer Beziehung ernst nimmt, schafft Wirkung.

Customer Lifecycle Enablement ist damit nicht nur ein Konzept – sondern der strategische Imperativ für Marketing, Vertrieb und Service im Zeitalter datengetriebener Kommunikation.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr: Wie viele Leads haben wir generiert? Sondern: Wie systematisch konnten wir den Customer Lifecycle aktivieren und nutzen?

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